2020/03/22

Statistisches zum Coronavirus

Heute ein paar Reflexionen zur aktuellen Krise.
Der Autor ist kein Mediziner und kann folglich aus dieser Sicht kein profundes Urteil abgeben.
Was jedoch sicher erscheint, ist der Umstand, dass wir uns einer Kakophonie aus Meldungen unterschiedlichster Herkunft gegenüber sehen, die es schwierig macht, die Spreu vom Weizen zu trennen. In so einer Situation kann ein Schuss Skepsis und eigenes Nachdenken nie schaden.

Ich möchte mich hier mit den statistischen Daten zur gegenwärtigen Lage befassen.
Täglich aktualisierte Daten zum Coronavirus findet man auf dieser Webseite. Alternativ auch hier.

Coronastatistik nach Worldometer vom 21/03/2020

Sehen wir uns zunächst die linke Kurve mit den Fallzahlen etwas genauer an. Ab Ende Januar zeigt die Kurve einen exponentiell ansteigenden Verlauf, der sich in der ersten Februarwoche leicht abflacht. Zu diesem Zeitpunkt war praktisch nur China vom Coronavirus betroffen. Dort gingen die Neuinfektionen deutlich zurück, und man hätte meinen können, das Schlimmste wäre vorüber.

Doch dann gab es einen neuen Schub ab etwa 11. Februar 2020. Die Kurve steigt steil an, wird dann bis gegen Ende des Monat wieder etwas flacher, und ab Anfang März geht es wieder exponentiell nach oben und zwar bis heute. Jetzt hat sich das Virus in Europa fest etabliert, und die Fallzahlen stellen alles in den Schatten, was man aus China kannte.

Die rechte Kurve zeigt die akkumulierte Zahl der Todesfälle. Man erkennt, dass die Todesfälle gegenüber den Neuinfektionen um etwa 10 Tage verschoben sind (vergleiche etwa die beiden Kurven Mitte Februar).

Noch etwas ist bemerkenswert. Während die linke Kurve von Mitte bis Ende Februar einen relativ flachen Verlauf zeigt (das war wohl die Zeit, wo sich viele in Italien angesteckt haben) ist das zeitverzögerte Äquivalent in der rechten Kurve deutlich kürzer, nur etwa eine Woche lang, bevor es so richtig nach oben springt.

Ich würde erwarten, dass sich das Wachstum der Neuinfektionen in den nächsten ein bis zwei Wochen abschwächen wird. Bis dahin sollten die ergriffenen Maßnahmen ihre Wirkung entfalten.


2020/03/11

Netzfund: Die Stromversorgung ist gefährdet

Nicht nur Deutschland wandelt auf dem Traumpfad der Energiewende. Auch die Schweiz hat Ähnliches vor: Bis 2050 will das Land aus der Kernenergie aussteigen und auf sogenannte erneuerbare Energieträger umstellen.

Was das für die Energieversorgung des Landes bedeutet, kann man in einem Artikel in der Finanz und Wirtschaft nachlesen.

Hieraus einige Kostproben:
In der Tat durften die über hundert Projekte gemäss Auftrag nicht etwa die technisch-wirtschaftliche Machbarkeit der Energiestrategie 2050 (ES 2050) ergebnisoffen untersuchen, sondern hatten vor allem nach Mitteln und Wegen zur Förderung der Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber den Massnahmen dieser Strategie zu suchen. Dies kommt einem doppelten Missbrauch sowohl der Wissenschaft als auch der Demokratie gleich.
Da soll also mit der Reputation der Wissenschaft die öffentliche Meinung ein wenig manipuliert, pardon: gesteuert werden. Ja natürlich, es gibt Wissenschaftler, und gar nicht mal so wenige, die sich für so etwas hergeben.
Selbst das fundamentale Problem, dass ein weiterer Ausbau intermittierender NEE-Kapazitäten (neue erneuerbare Energieträger, MJ) zwar die Produktionsamplituden erhöht, die Produktionslücken jedoch weitgehend unverändert lässt, findet keinerlei Beachtung. Dabei ist dies von entscheidender Bedeutung für die Auslegung von Speicherkapazitäten und die Sicherung der Netzstabilität.
Das leidige Speicherproblem, bekannt seit den Urzeiten der regenerativen Stromerzeugung. Es wächst mit der Menge an regenerativem Strom, die produziert wird. 
Aus Effizienzgründen müssten zum Ausgleich saisonale Hydrospeicher eingesetzt werden – Pumpspeicher, von denen es in der nötigen Ausprägung und Grösse in der Schweiz heute noch keine gibt und auf absehbare Zeit auch nicht geben wird.
Die Speicher gibt´s jedoch nicht umsonst, weder aus finanzieller noch aus energetischer Sicht. Denn die Speicherung elektrischer Energie verursacht Verluste, die kompensiert werden müssen. Mit anderen Worten: Man muss mehr Energie hineinstecken, als man heraus bekommt.
Im Fall von Hydrospeicherung (effizienteste Speichermethode) wären rund 22% an zusätzlicher Leistung zu installieren; würde man auf «Power to Gas to Power» setzen – was in der Politik auf viel Sympathie stösst –, so wären nicht weniger als 75% Zusatzleistung erforderlich.
Ja, und zur Frage der Kosten: Man erinnert sich noch an die berühmte Kugel Eis, die für die deutsche Energiewende veranschlagt wurden und was inzwischen daraus wurde. In der Schweiz läuft ein ähnliches Spiel (oder soll man eher Betrug sagen?):
Die Bevölkerung wurde völlig falsch informiert, wie hoch die Kosten der offenbar zu wenig seriös reflektierten Energiestrategie 2050 sein werden: 40 Fr. pro Haushalt und Jahr war die magische Zahl, die im Vorfeld der Abstimmung von der damals zuständigen Bundesrätin Doris Leuthard verbreitet wurde. Wir haben versucht, mit den genannten Annahmen die effektiven Kosten (inkl. der zwingend notwendigen zusätzlichen Systemkosten) nachzurechnen, und kommen auf etwa den fünfzigfachen Wert.
Da werden also die Leute im Dienst der guten Sache hinter die Fichte geführt. Wie sich die Methoden gleichen.

Aber auch die dadurch verursachten Probleme gleichen sich und werden in nicht allzu ferner Zukunft für alle spürbar werden.





2020/03/07

Belanglosigkeiten für die Spitzenforschung

Vor nicht allzu langer Zeit unterhielt ich mich mit einem Vertreter des österreichischen Wissenschaftsministeriums (das damals de facto dem Wirtschaftsministerium unterstellt war) über Patente. Er schien in folgender Kategorie zu denken: Mehr Geld = mehr Patente. Und zwar als kausale Relation, d.h. mehr Geld ist die URSACHE für mehr Patente.

Ich meinte dagegen, dass Patente eher im Oberstübchen zustande kommen als auf dicken Finanzkonten. Man müsse also ein entsprechendes Umfeld schaffen, in dem die Menschen begierig darauf sind, patentierfähige Ideen zu haben und zu entwickeln. Mein Gegenüber sah mich etwas ungläubig an. Geld schien für ihn der (alleinige) Motor für den Fortschritt.

Wenn es danach ginge, müssten die reichsten Ölstaaten der Welt vor Patenten nur so überquellen. Dem ist jedoch nicht so.

Kürzlich gab es in der österreichischen Presse einen Artikel, der grosso modo in dasselbe Horn stieß.

Da werden Trivialitäten aneinander gereiht, die üblichen Phrasen gedroschen und - natürlich - davon gesprochen, dass es letztlich am Geld liegt.

Kostprobe:

In dieses enorme kreative Potenzial investiert der Bund bislang zu zaghaft, wie auch die OECD bescheinigt – obwohl die Weichen, die gestellt werden müssen, um einen nachhaltigen Energieschub für Österreichs Spitzenforschung auszulösen, bekannt sind.
Welche Weichen sind das? Und weiter geht's:

Die chronische Unterfinanzierung der kompetitiven Grundlagenforschung ist nur ein Aspekt.
und

Aktuell wird die Spitzenforschung durch mangelnde Perspektiven, eine nicht adäquate Ausstattung der Universitäten und brachliegende Potenziale gebremst.

Welche Potenziale das sein sollen, wird nicht gesagt.

Stattdessen geht es weiter mit Leerformeln wie Exzellenzinitiative, Synergien, einem nachhaltigen Energieschub und Antworten für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Gibt es keine konkreten Themenschwerpunkte, die es anzugehen gilt? Hier tritt nur Nebulöses zu Tage. Wahrscheinlich wollten es sich die Autoren mit keiner Fachrichtung verscherzen. Aber die Forschung schreitet nicht mit gleicher Geschwindigkeit in alle Richtungen voran. Stets gibt es Schwerpunkte, die den Takt vorgeben.

Und vor allem sollte eine neue Forschungslandschaft ein starkes Interesse daran haben, bestehende Strukturen zu hinterfragen und in neue Bereiche vorzudringen. Nichts davon ist in dem Presseartikel zu lesen. Armselig.


2020/03/02

Der deutsche Strommix - Februar 2020

Es ist wieder einmal Zeit für einen Blick zurück, diesmal auf den Monat Februar. Hier die Grafik von der Bundesnetzagentur:


Im Februar ist die Sonne noch relativ schwach und trägt entsprechend wenig zur Gesamtstromversorgung bei. Umso mehr Bedeutung ruht auf dem Wind. Der kann bei passender Wetterlage einen Großteil des Stromverbrauchs abdecken. Jedoch ist die Ausbeute an manchen Tagen mehr als mager. So etwa vom 5. bis 7. Februar, aber auch am 14. und dann wieder am 27. Februar.
An solchen Tagen würde auch der Ausbau der Stromnetze von Nord- nach Süddeutschland nichts an der prekären Versorgung ändern, weil schlicht und einfach das Angebot an Windstrom fehlt. .



2020/02/25

Ein paar Überlegungen zur Wasserkraft

Gefunden auf dem Blog Think Again.

Es geht um ein Projekt, das vor etwa einhundert Jahren angedacht wurde. Nämlich die Errichtung einer Staumauer an der Meerenge von Gibraltar. Dort könnte man den Umstand ausnützen, dass ständig Wasser vom Atlantik ins Mittelmeer fließt. Unterbricht man diesen Fluss, wird sich das Niveau des Mittelmeeres um mehr als 100 Meter absenken. Diese Differenz könnte man zur Energiegewinnung nutzen. 

In unseren Zeiten undenkbar. Trotzdem sehr lesenswert, was in jenem Artikel geschrieben steht. 

2020/02/08

Falsche Prognosen: Norwegens Öl

Norwegens Öl wird bald versiegen, so hieß es vor etwa 20 Jahren. Eigentlich sollten die Lagerstätten jetzt schon erschöpft sein.

Aber es kommt noch dicker. Ein neues gewaltiges Ölfeld wurde entdeckt, das - so die Vermutung - Förderung bis in die 70er Jahre dieses Jahrhunderts erlauben wird. 

Lustig auch, dass selbst diese Meldung, die aus der Süddeutschen Zeitung stammt, nicht ohne Fake News auskommt. Da heißt es im Vorspann:

Norwegen selbst bezieht seine Energie aus nachhaltigen Quellen, vor allem Wasser- und Windkraft. Das geförderte Öl und Gas wird in die Welt exportiert und füllt so die Staatskassen.

Der erste Satz ist Umsinn, wie er nur in Haltungsmedien stehen kann. Zwar stimmt es, dass Norwegens Stromversorgung fast ausschließlich auf regenerativen Quellen (vor allem Wasser) beruht. Doch der Stromsektor ist eben nur ein Teil des gesamten Energieverbrauchs. Frage: Womit fahren die Autos und Lkws? Ja richtig. Einfach mal in einschlägigen Energiestatistiken nachschauen.

Deshalb hier die Daten, die Sie im "Qualitätsmedium" SZ nicht finden:

2018 hatte Norwegen einen Primärenergieverbrauch von 47,4 Mtoe (Megatonnes of oil equivalent, d.h. Rohöleinheiten). Davon entfielen 14,8 Mtoe auf fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle, also mehr als ein Viertel. Das sind eindeutig nicht-nachhaltige Quellen. Und was schreibt die SZ? Siehe oben.

Wasserkraft stand übrigens mit 32,1 Mtoe kräftig zu Buche, während die übrigen sogenannten Erneuerbaren lediglich auf 0,7 Mtoe kamen, also auf rund 1,5 % des Gesamtenergieverbrauchs. Dennoch steht der Wind ganz prominent im Vorspann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Frage: Was machen eigentlich die bezahlten Faktenchecker die ganze Zeit?



2020/02/01

Der deutsche Strommix - Januar 2020

Und weiter geht's im neuen Jahr mit dem gewohnten Blick auf den deutschen Strommix. Im Januar zeigte sich die Sonne - jahreszeitlich bedingt - nur recht selten, während der Wind das übliche Auf und Ab bot. Wie immer greifen wir auf die Daten der Bundesnetzagentur zurück.


Die rote Kurve zeigt den Stromverbrauch in Deutschland an, während die farbigen Flächen die Beiträge regenerativer Energiequellen repräsentieren.

Man beachte die Lücke zwischen Stromverbrauch und Erzeugung der Regenerativen in der Zeit vom 20. bis 26. Januar. Ohne Kernenergie und fossile Stromerzeuger (also Kohle und Gas) sähe es hier nicht so lustig aus. Aber solche Szenarien werden erst dann so richtig spannend, wenn die letzten Kern- und Kohlekraftwerke vom Netz genommen sind.

Nun, dann greift das sogenannte Demand Management, will sagen, dass in unserer Beispielperiode rund drei Viertel der Verbraucher zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Und das über mehrere Tage.

Na dann, schaun mer mal.