2019/10/20

Wer setzt noch auf Kohle?

Kohle ist mega-out. Zumindest im Westen. Doch es gibt Länder, die weiterhin massiv auf Kohlenutzung setzen. Ein Blick auf das folgende Bild verdeutlicht das.



Die Rohdaten dafür stammen von der BP Statistical Review of World Energy. China ist natürlich der absolute Überflieger, doch auch Indien (nicht im Bild) hat in den letzten Jahren kräftig zugelegt und die USA bereits überflügelt.

Das Ende der Kohleverbrennung ist jedenfalls nicht so nahe, wie es manchen Leuten scheint. In etlichen aufkommenden Volkswirtschaften ist Kohle als Energiequelle (einer) der Schlüssel für die Verbesserung des Lebensstandards, so wie es auch in Europa zur Zeit der Industrialisierung war.


2019/10/16

Falsche Prognosen: Norwegens Ölförderung

Es muss etwa 2001 oder 2002 gewesen sein, als ich in einer Fachpublikation las, dass (nach damaligem Stand) Norwegens Ölförderung in rund 15 Jahren zu Ende gehen würde. Leider finde ich das Originalzitat nicht mehr. Gleichwohl hat es mich derart beeindruckt, dass ich mich noch heute daran erinnere.

Da war sie also: eine Vorhersage mit klarer Aussage und einem festen und noch dazu kurzfristigen Horizont. 15 Jahre ist eine Zeit, die man recht gut überblicken kann. Man vergleich das mal mit Aussagen anderer Prognosen, die das Jahr 2100 betreffen, das die meisten der heute Lebenden wohl nicht mehr erleben dürften.

Und wie ist es um die Ölförderung in Norwegen inzwischen bestellt?

Schauen Sie sich mal dieses Bild an, dessen Rohdaten aus der BP Statistical Review of World Energy stammt.


Verglichen mit dem Spitzenwert, der um die Jahrtausendwende erzielt wurde, ist die Förderung um etwa die Hälfte zurückgegangen.

Aber von der Nulllinie sind wir noch ein gehöriges Stück weit entfernt.

Soviel zur Qualität von Prognosen. In Fachpublikationen.

Was lässt sich daraus für andere Vorhersagen ableiten?







2019/10/02

Der deutsche Strommix - September 2019

Hier die Rückschau auf den Monat September. [Nachtrag]


Das stürmische Monatsende ließ den Beitrag der regenerativen Energien so deutlich anwachsen (vor allem Wind), dass ein großer Teil des Verbrauches abgedeckt werden konnte.

Quelle: Bundesnetzagentur.

Ich habe diesmal auch eine Analyse durchgeführt hinsichtlich des (rechnerischen) Anteils, den die Regenerativen am gesamten Stromverbrauch haben. Hier ist das Resultat:


Das Bild ist folgendermaßen zu lesen:

Die horizontale Achse bezeichnet den Anteil, den die sogenannten Erneuerbaren am Stromverbrauch abdecken. Die vertikale Achse repräsentiert den zeitlichen Anteil der einzelnen Balken am gesamten Monatsverlauf.

Fangen wir rechts außen an. Mehr als 90 % des Stromverbrauchs wurden durch regenerative Energieträger abgedeckt während 2,2 % des Monats; das entspricht knapp 16 Stunden von insgesamt 720.

Der längste Balken ist jener im Bereich zwischen 30 % und 40 %. So hoch war der Beitrag der Regenerativen zum Verbrauch während 23,5 % der Zeit. Das sind also etwas mehr als 169 Stunden oder gut sieben Tage (natürlich nicht am Stück, sondern alle entsprechenden Anteile aufsummiert).

[Nachtrag]

Ich habe obige Bild nochmal überarbeitet mit einer neuen vertikalen Achse. Nunmehr ist auf dieser die Anzahl der Tage aufgeführt, die den jeweiligen Prozentanteilen entsprechen. Da sieht dann so aus:



Mit anderen Worten: nicht mal für einen ganzen Tag lang konnten die Regenerativen mehr als 90 % des Verbrauchs abdecken. Das ist angesichts der gewaltigen installierten Kapazitäten von Photovoltaik und Windkraft ziemlich schwach.




2019/09/22

Deutsche Klimaträume (2)

Im vorigen Post ging es um das Energieeinsparpotential bei Einfamilienhäusern in Schweden, was uns als Richtmarke für die Verhältnisse in Deutschland dienen kann. Die dort genannte statistische Erhebung der Energimyndigheten geht aber noch deutlich weiter.

Auch der Gebäudesektor (also Objekte mit mehreren Wohneinheiten) wird einer entsprechenden Analyse unterzogen. Wieder wird der spezifische Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser in kWh/m2 für den Gebäudebestand in Schweden aufgeschlüsselt nach dem Alter der bestehenden Einheiten.

Hier ist das Ergebnis für 2016:



Nicht überraschend verbrauchen die jüngeren Gebäudetypen weniger Energie als die älteren. Die jüngsten liegen in ihrem Energieverbrauch rund 38 % unter den ältesten Einheiten.

Für den gesamten Gebäudebestand ergibt sich über die letzten elf Jahre folgendes Bild:


Da sieht die Verringerung der spezifischen Verbrauchszahlen mit rund 13 % zwischen 2005 und 2016 schon weitaus weniger spektakulär aus. Auch dieser Wert ist weit entfernt von den 40 % CO2-Reduktion, die laut "Experten" in den nächsten 10 Jahren in Deutschland angepeilt werden. Wir erinnern uns: Bei den Einfamilienhäusern gab es in den letzten zehn Jahren einen Rückgang des Energieverbrauchs um 17 %.

Zusammengefasst: Weder im Bereich der Einfamilienhäuser noch in jenem der Gebäude mit mehreren Wohneinheiten sieht es so aus, als ob die ambitionierten Klimapläne Deutschlands auch nur annähernd umgesetzt werden könnten.









2019/09/17

Deutsche Klimaträume

Auf Daniel Stelters Blog bto findet sich zum Thema Klimawandel folgendes Zitat (aus der WELT):
Schon bis 2030, also innerhalb von zehn Jahren, sollen die CO2-Emissionen im Gebäudesektor um rund 40 Prozent auf 72 Millionen Tonnen pro Jahr sinken
Stelter betrachtet die Sachlage von einer ökonomischen Perspektive aus. Im Übrigen sehr lesenswert.

Wir aber interessieren uns hier für die energetische Sicht der Dinge. Wie realistisch ist es, innerhalb von 10 Jahren die CO2-Emissionen, also in letzter Konsequenz den Energieverbrauch, um 40 % zu senken?

Da trifft es sich gut, dass die schwedische Energiebehörde Energimyndiheten eine jährliche statistische Untersuchung über den Energieverbrauch im Gebäudesektor durchführt. Aus der jüngsten dieser Untersuchungen entnehmen wir, dass die ältesten und die neuesten Häuser in Schweden folgende Energiekennzahlen aufweisen:

Häuser gebaut vor und bis 1940:                    127 kWh/m2

Häuser gebaut zwischen 2011 und 2015:        74 kWh/m2

Mit anderen Worten: die jüngsten Häuser in Schweden brauchen 41,7 % weniger Energie (für Heizung und Warmwasser) als die ältesten.

Hier die Resultate dieser Untersuchung bildlich dargestellt:




Die zwischen diesen beiden Alterskohorten errichteten Wohnstätten liegen in ihrem Energieverbrauch irgendwo zwischen den genannten Extremwerten.

Also angenommen, es gäbe in Schweden nur Häuser, die vor 1940 gebaut wurden, und man würde diese nun durch solche mit dem neuesten Technologiestandard ersetzen, dann könnte man eine Energieeinsparung von rund 40 % erwarten.

Das ist natürlich nur ein Idealwert, weil wir ja alle in der Zwischenzeit gebauten Häuser ausgeblendet haben. Wenn wir also alle Häuser in Schweden durch neu gebaute ersetzten, so wäre das Einsparpotential deutlich geringer als 40 %.

Mir liegen keine entsprechenden Zahlen für Deutschland vor, aber das Beispiel Schweden gibt eine gute Messlatte vor, an der wir uns orientieren können.

Um nochmals auf das oben angeführte Zitat zurückzukommen: Eine Energieeinsparung von rund 40 % innerhalb von 10 Jahren ist utopisch und kann getrost ins Reich der Träume verwiesen werden. Es sei denn, die Winter werden deutlich wärmer.

Nachtrag: 

Hier ist noch ein Bild das den durchschnittlichen Energieverbrauch in kWh/m2 gemittelt über alle Altersklassen zeigt (EFH steht für Einfamilienhaus):


Durch den Neubau besonders effizienter Häuser und den Abbruch älterer Einheiten konnte zwischen 2006 und 2016 eine mittlere Reduktion von rund 17 % erreicht werden.






2019/09/10

Der deutsche Strommix - August 2019

Heute also - mit etwas Verspätung - die Daten für den August.

Zunächst die Stromproduktion aus allen Quellen:


Und dann noch die Stromerzeugung der regenerativen Energieträger und der Vergleich mit dem Stromverbrauch:


Im letzteren Bild wird ersichtlich, welche enorme Lücke noch immer zwischen regenerativer Produktion und dem tatsächlichen Strombedarf besteht - und zwar im Sommer.

Die Daten stammen von der Bundesnetzagentur.







2019/08/31

Wann ist Peak CO2 erreicht?

Einer Reportage zum Klimawandel in Österreich entnehmen wir folgendes Zitat:

Um das Pariser Klimaabkommen zu erreichen, müsste der jährliche globale Treibhausgas-Ausstoß nicht später als 2020 sein Maximum erreichen. Bis 2030 müsste das Emissionsniveau wieder auf jenes von 1990 gesenkt werden und bis 2050 weiter auf 20-30 % des Emissionsniveaus von 1990 sinken.

Hierzu zwei Bilder. Beide beruhen auf Daten aus BP Statistical Review of World Energy.

Fig. 1 zeigt die CO2-Emissionen folgender Länder: Österreich, Deutschland, USA, China und Indien.

Fig. 1 CO2-Ausstoß ausgewählter Länder


Dann bekommt man ein Gefühl für die Größenordnungen, um die es hier geht.

Fig. 2 zeigt die weltweite Entwicklung des CO2-Ausstoßes und das erwartete Niveau im Jahr 2020. Dieser Wert wurde berechnet unter der Annahme, dass das Anstieg von 2017 auf 2018 sich auch in den nächsten Jahren fortsetzt. Wenn man sich die Graphik ansieht, hat man nicht den Eindruck, als ob die jährliche CO2-Menge vor dieser Grenze (rot strichlierte Line) halt machen würde.

Fig. 2 Globaler CO2-Ausstoß

Wenn man noch etwas genauer in die BP Daten hineinschaut, wird klar, wo der Anstieg des (von Menschen verursachten) CO2-Gehalts kommt. Zwischen 2007 und 2017 sank der CO2-Ausstoß der OECD-Länder um durchschnittlich 1 % pro Jahr. Im selben Zeitraum stieg derselbe in den Nicht-OECD-Ländern um mehr als 2 % jährlich an. Mit anderen Worten: die CO2-Verminderung in den OECD-Ländern reicht nicht aus, um den entsprechenden Zuwachs in den Nicht-OECD-Ländern zu kompensieren. Und es sieht nicht so aus, als ob dieser Trend schon bald abbrechen würde.

Da fragt man sich natürlich, welche Intelligenz zugegen war, als obige Festschreibung (Maximum des CO2-Ausstoßes im Jahr 2020) gemacht wurde.

Eines scheint jedenfalls klar zu sein: 2020 wird nicht peak-CO2.

Ob die Zielwerte für 2030 und 2050 überhaupt realistisch erreicht werden können, möge jeder Leser für sich entscheiden. Vielleicht dazu mehr in einem späteren Posting.