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2020/02/08

Falsche Prognosen: Norwegens Öl

Norwegens Öl wird bald versiegen, so hieß es vor etwa 20 Jahren. Eigentlich sollten die Lagerstätten jetzt schon erschöpft sein.

Aber es kommt noch dicker. Ein neues gewaltiges Ölfeld wurde entdeckt, das - so die Vermutung - Förderung bis in die 70er Jahre dieses Jahrhunderts erlauben wird. 

Lustig auch, dass selbst diese Meldung, die aus der Süddeutschen Zeitung stammt, nicht ohne Fake News auskommt. Da heißt es im Vorspann:

Norwegen selbst bezieht seine Energie aus nachhaltigen Quellen, vor allem Wasser- und Windkraft. Das geförderte Öl und Gas wird in die Welt exportiert und füllt so die Staatskassen.

Der erste Satz ist Umsinn, wie er nur in Haltungsmedien stehen kann. Zwar stimmt es, dass Norwegens Stromversorgung fast ausschließlich auf regenerativen Quellen (vor allem Wasser) beruht. Doch der Stromsektor ist eben nur ein Teil des gesamten Energieverbrauchs. Frage: Womit fahren die Autos und Lkws? Ja richtig. Einfach mal in einschlägigen Energiestatistiken nachschauen.

Deshalb hier die Daten, die Sie im "Qualitätsmedium" SZ nicht finden:

2018 hatte Norwegen einen Primärenergieverbrauch von 47,4 Mtoe (Megatonnes of oil equivalent, d.h. Rohöleinheiten). Davon entfielen 14,8 Mtoe auf fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle, also mehr als ein Viertel. Das sind eindeutig nicht-nachhaltige Quellen. Und was schreibt die SZ? Siehe oben.

Wasserkraft stand übrigens mit 32,1 Mtoe kräftig zu Buche, während die übrigen sogenannten Erneuerbaren lediglich auf 0,7 Mtoe kamen, also auf rund 1,5 % des Gesamtenergieverbrauchs. Dennoch steht der Wind ganz prominent im Vorspann. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Frage: Was machen eigentlich die bezahlten Faktenchecker die ganze Zeit?



2019/10/24

Erdölverbrauch seit 1965

Ob es einem gefällt oder nicht - Erdöl ist immer noch einer der wichtigsten Energieträger. Und natürlich ist die Verbrennung dieses Rohstoffs und seiner Folgeprodukte hauptsächlich verantwortlich für den weltweiten CO2-Ausstoß.

Das folgende Bild, erstellt aus den Rohdaten der BP Statistical Review of World Energy, zeigt die Entwicklung des Erdölverbrauchs seit 1965 in Mtoe (Megatonnes of oil equivalent, also Megatonnen Rohöläquivalente).


Bemerkenswert an dieser Abbildung ist, dass sich der größte Ölverbraucher der Welt, also die USA, seit Jahrzehnten kaum vom Fleck rührt, während andere wie China und Indien im Augenblick noch zurück liegen. Das könnte sich jedoch, vor allem mit Blick auf China, schon in wenigen Jahren ändern.

Interessant auch, welche geringe Bedeutung manchen Industriestaaten wie Deutschland und Österreich im internationalen Vergleich zukommt.

Während also die westlichen Staaten ihren Ölkonsum konstant halten oder sogar zurückfahren konnten, nimmt die weltweite Verbrauchskurve ungebrochen zu. Woran liegt das?

Des Rätsels Lösung lautet wie folgt: In den Jahren 2007 bis 2017 nahm der durchschnittliche Erdölverbrauch in den OECD-Staaten jährlich im Schnitt um - 0,7 % ab. Im gleichen Zeitraum stieg der Verbrauch der Nicht-OECD-Staaten um durchschnittlich 3,0 % pro Jahr an.

Die Einsparung der einen wird durch den Mehrverbrauch der anderen mehr als ausgeglichen.




2019/01/07

Wieviel Öl braucht Frankreich?

Aktuelles zum Ölverbrauch in Frankreich.

Bekanntlich gab es in jüngster Zeit einen gewissen Aufruhr in Frankreich wegen der Einführung einer neuen (d.h. zusätzlichen) Steuer auf Automobilkraftstoffe. Letzteres unter dem Deckmantel des Klimaschutzes.

Wir fragen uns also: Wie sehen die Verbrauchszahlen für Erdölprodukte in Frankreich aus? Die entsprechenden Daten findet man auf der Webseite des Oil Bulletins der Europäischen Kommission.

Wie in anderen Ländern auch ging in Frankreich der Verbrauch von Dieselkraftstoff in den letzten Jahren deutlich nach oben (was übrigens politisch gewollt war - Stichwort: Klimaschutz). Der Anstieg betrug etwa 17% zwischen 2002 und 2016. Gleichzeitig ging der Konsum von Benzin und anderen Produkten ebenso markant zurück. Der Benzinverbrauch sank zwischen 2006 und 2016 um 60%.

Fig. 1 Verbrauch unterschiedlicher Erdölprodukte in Frankreich


Insgesamt ergibt sich folgendes Bild. Der Gesamtverbrauch von Ölprodukten in Frankreich ist seit 2008 rückläufig, und zwar deutlich.

Fig. 2 Aggregierter Verbrauch von Erdölprodukten in Frankreich

Daraus folgt zwangsläufig, dass auch die entsprechenden CO2-Emissionen dieser Produkte rückläufig sind.

Eigentlich keine schlechte Nachricht. Man fragt sich dann, ob eine zusätzliche Steuer auf Fahrzeugkraftstoffe den Verbrauch noch weiter nach unten drücken könnte. Wahrscheinlich nicht. Der Grund für das Vorgehen der Regierung liegt wohl eher in der allgemeinen Natur von Steuern, die dem Staat eine willkommene Einnahmequelle verschaffen. Der geduldige Steuerzahler soll nach allen Regeln der Kunst gemolken werden, eine passende Begründung dafür findet sich letztlich immer.