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2023/04/18

Warum in der IT nicht (oder wenig) gearbeitet wird.

IT Jobs gelten als anspruchsvoll und arbeitsintensiv. 

Ein Insider räumt mit einigen Mythen auf. Projekte werden aufgebläht, weil Kunden sowieso nicht verstehen, wieviel Aufwand damit einhergeht. 

Es gibt aber auch andere Gründe für die Ineffizienz im System. 

Und aus meiner Sicht, ist dieses Phänomen - mehr Schein als Sein bei der Arbeit - nicht nur auf die IT beschränkt. 

Auch in anderen Bereichen geht es vielfach nur darum, den Anschein von Aktivität zu erwecken, während das Nachdenken über die Sinnhaftigkeit vieler Projekte einfach zu kurz kommt. 

Ein gesellschaftliches Problem also. Oder besser gesagt: ein Problem der herrschenden Eliten. 

Leseempfehlung



2020/05/27

Matt Ridley über Innovation

Der britische Wissenschaftsautor Matt Ridley über das Wesen der Innovation und sein neuestes Buch How Innovation Works im Interview mit Gad Saad.

Sehr aufschlussreich und gelegentlich entgegen der Orthodoxie (oder soll man besser sagen: entgegen dem Mythos), was Ridley zu sagen hat.

Zum Beispiel, dass Innovation nicht notwendigerweise aus dem Unicampus entspringt. Oder dass Bürokratie Innovation hemmen kann und das in der Regel auch tut. Oder wie Innovatoren arbeiten.
Spannend.




2019/06/08

Die Bildungsspirale - nach unten

Bildung ist der Schlüssel zur Innovationsfähigkeit. Wenn es mit der Bildung bergab geht, steht es auch um die Innovationskraft schlecht.

Auf Daniel Stelters Blog geht es in einem kürzlich geposteten Beitrag um den Abstieg der Bildung in Deutschland.

Es ist nicht das erste Mal, dass solches geschrieben wird. Auch andere Autoren haben an anderer Stelle auf dieses Problem hingewiesen.

Erstaunlich finde ich - abseits des Lamentos - folgendes: Den allermeisten Leuten ist, unabhängig von ihrem Hintergrund, der Wert der Bildung bewusst. Und ebenso ist es denselben Leuten klar, dass das Bildungswesen verfällt, und zwar nicht erst seit gestern. Und dennoch werden (von diesen Leuten, wenigstens zum Teil) immer wieder dieselben politischen Kräfte gewählt, die schon seit vielen Jahren für diesen Verfall verantwortlich sind. Das hat was.

Wer sich mehr für die Hintergründe der Bildungsmisere interessiert, sei auf folgendes Video zum Thema Postmodernismus verwiesen:



Es handelt sich um ein Gespräch zwischen dem Psychologen Jordan Peterson und dem Philosophen Stephen Hicks. Darin geht es unter anderem um die Frage, wie der Postmodernismus die geistige Kultur Universitäten mit Sprechverboten, Aktivismus etc. untergräbt und was dies für die Zukunft der akademischen Forschung und Lehre bedeutet.

Während Peterson eher pessimistisch ist, besteht für Hicks auch Grund zur Hoffnung. Der Philosoph meint nämlich, dass der geistige Abstieg des Postmodernismus schon längst eingesetzt hat. Mal sehen, wer Recht hat.








2018/11/29

Innovationsmotor Deutschland?

In einem meiner letzten Postings ging es darum, ob Deutschlands Innovationskraft sinkt. Nun ja, es sieht ganz danach aus.

Die Cebit, einst Aushängeschild der deutschen IT-Szene, wird eingestellt. Spricht eigentlich für sich.

Und was kommt dann? Vielleicht eine Messe für Lastenfahrräder...

2018/11/18

Sinkt Deutschlands Innovationskraft?

Auf Novo Argumente beschäftigt sich ein Artikel mit der sinkenden Bereitschaft deutscher Unternehmen, in innovative Produkte und Technologien zu investieren. Stattdessen würden Aktienrückkaufprogramme gestartet, die zwar den Börsenwert der Unternehmen erhöhen, jedoch keinen Produktivitätsfortschritt bewirken. Die Unternehmensgewinne entwickeln sich prächtig, die Investitionen dagegen deutlich bescheidener. Man wird sehen, wie sich das auf die wichtigste Volkswirtschaft der EU auswirkt. Mehr dazu hier.

Einen anderen Aspekt der Innovationskraft beleuchtet Daniel Stelter auf seinem stets lesenswerten Blog Think beyond the obvious. Dort geht es um die Manpower, die jeder Innovation zugrunde liegt. Vergleicht man Deutschland mit seinen wichtigsten Konkurrenten, dann sieht es nicht gut aus für die Deutschen. Beispiel China: Das Reich der Mitte schlägt unsere Nachbarn sowohl in Bezug auf die durchschnittlichen kognitiven Fähigkeiten als auch hinsichtlich der Anzahl junger Talente.

Es sieht so aus, als würde (nicht nur) Deutschland strategisch ins Hintertreffen geraten. Die Frage ist nun, ob die sogenannten Eliten sich 1) darüber im klaren und ob sie 2) willens sind, sich dieser fatalen Entwicklung entgegen zu stellen.


2018/07/25

Die nächste Sau durchs Wissenschaftsdorf - KI

Auf Danischs Blog gibt es eine lustig zu lesende Beschreibung des gegenwärtigen Hypes um Künstliche Intelligenz (KI). Als Informatiker ist er ja wesentlich näher dran an diesen Dingen, als Politiker es je sein könnten. Und so ist seine Sicht auf die KI wesentlich abgeklärter als die jener, die sich zu Propagandisten eines neuen Zeitalters aufschwingen, in der Hoffnung, das Wohlwollen der Medien und, ja vielleicht auch, die eine oder andere Wählerstimme zu ergattern.

Andererseits sollten wir nicht zu hart mit der politischen Klasse in Gericht gehen. Ihre Vertreter reden ja oft (manche meinen: zu oft) über Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. Aber nicht nur das. Gelegentlich werden zur Entscheidung gesellschaftlich relevanter Fragen Kommissionen gebildet, deren Mitglieder von eben diesen Fragen nicht so richtig Ahnung haben. Man könnte auch sagen: Ahnungslose bilden Kommissionen aus Ahnungslosen, damit die ahnungslosen Menschen ("da draußen") eine Ahnung davon kriegen, wohin die Reise geht. Das wichtigste Marschgepäck auf dieser Reise ist keineswegs ein fundiertes Fachwissen, sondern vielmehr ein gerüttelt Maß an höherer Moral. Und schon ist die Energiewende auf dem Weg.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass, je mehr Politiker sich in die Bereiche Forschung und Innovation einmischen, umso weniger Relevantes dabei herauskommt (vor allem im Verhältnis zur eingesetzten Geldmenge). Oder wurde das iPhone aufgrund eines politischen Programms entwickelt? Waren Dinge wie das Internet, die Waschmaschine, der Geschirrspüler und das Röntgengerät die Früchte tiefschürfender politischer Projekte? Aber gewiss lässt sich mit KI wieder neues Kanonenfutter für die Start-Up-Szene gewinnen.

Auf einer internationalen Konferenz zum Thema Innovation unterhielt ich mich mal mit einen höheren Beamten eines Forschungsministeriums (das Land spielt dabei keine Rolle). Wir redeten über Patente, und er meinte sinngemäß, wenn man soundso viel Millionen hineinsteckt, kommen soundso viele Patente raus. Die statistische Korrelation dahinter ist sicherlich richtig, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Dennoch ist es ein Trugschluss, daraus eine kausale Ertragskette zu machen in der Art: Wenn ich nur ein paar Millionen einsetze, dann bekomme ich dafür ganz bestimmt eine gewisse Anzahl von Patenten.

Aber erstens ist Patent nicht gleich Patent. Manche sind profitabler als andere, mitunter sogar extrem profitabel, andere dienen nur dazu, Entwicklungen von Konkurrenten zu blockieren. Und zweitens, und das ist das Entscheidende, kommen Patente nicht in die Welt wegen der zuvor eingesetzten Millionen, sondern ausschließlich, weil sich im Oberstübchen eines Tüftlers eine neue Idee eingenistet hat. Diese Vorstellung schien dem Ministerialbeamten völlig fremd zu sein. Soviel zur Nähe zwischen Ministerien und Forschungspraxis. Politiker sind bekanntlich noch weiter davon entfernt.

Nun also die Künstliche Intelligenz. Kann sie helfen, wo die natürliche fehlt? Schaun mer mal.

Zum Ausklang noch einige Zitate, wobei es völlig egal ist, aus welchem Mund die jeweilige Sprechblase kommt, weil Sprecher und Blasen beliebig austauschbar sind.

"Ich erwarte, dass Wissenschaft sich besser erklärt. Sie muss raus aus ihrem Kämmerchen." (Vergleichbares hört man seit vielen Jahren.)

"Vielen in der Wissenschaft ist gar nicht klar, dass es Leute gibt, für die es eben nicht so selbstverständlich ist, dass wir die Wissenschaft in einem solchen Umfang finanzieren." (Den Wissenschaftlern, die ich kenne, ist das durchaus klar.)

"Künstliche Intelligenz durchdringt immer mehr Lebensbereiche und ist ein wichtiger Faktor für wirtschaftliche Entwicklung." (Gab es VOR der KI keine wirtschaftliche Entwicklung?)

"Die Nutzung Künstlicher Intelligenz soll verantwortungsvoll und zum Wohle der Gesellschaft vorangebracht und neue Wertschöpfungspotenziale sollen erschlossen werden." (Fehlen nur noch die Dauerschlagworte nachhaltige Entwicklung und soziale Gerechtigkeit).

"Richtig gestaltet ist KI ein wichtiger Schlüssel für Wachstum und Wohlstand." (und WER gestaltet richtig und vor allem WIE?)




2018/05/28

Die Startup-Show

Auf Addendum.org gab es vor einiger Zeit einen sehr guten Artikel über den gegenwärtigen Startup-Hype. Wie nicht anders zu erwarten, wird unter dem Deckmantel der Innovationsförderung eine Medienshow abgezogen. Wurden die heutigen Giganten wie Microsoft, Google etc. in ihrer Startup-Phase mit ähnlichem Bohey gefeiert? Natürlich nicht, denn damals wusste ja noch keiner, was aus diesen jungen Unternehmen einmal werden würde. Später, als dann der wirtschaftliche Durchbruch kam, waren auch die Medien an Bord. Aber da war der Käse schon gegessen.

Es geht den Medien in erster Linie um ihren eigenen Rummel. Alles andere ist sekundär. Bestenfalls. Dazu kommen noch Politiker, die auch gerne von dem positiven Image der Startup-Szene profitieren wollen. Medien und Politik, das ist eigentlich immer eine pikante Mischung zweier Berufsbilder, die wechselseitig voneinander abhängen. Und die Korruption ist auch nicht weit weg.

2018/03/22

Kapitalismus und Innovation - Teil 2

Hier ein Artikel, der darauf hinausläuft, dass die Dominanz der Tech-Giganten Google, Facebook, Amazon langfristig schadet. Ich meine, dass dies nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht gilt, sondern auch im Hinblick auf Innovationen. Bislang sind diese Giganten zwar hervorragende Innovatoren. Wenn Sie ihre Marktmacht aber erst mal zu weit ausgebaut haben, wird sich das zwangsläufig auf die innovative Tätigkeit auswirken. Gleichzeitig wird es für neue Wettbewerber immer schwieriger technologisch gegen diese Riesen anzutreten. Es wird spannend.

2018/03/15

Kapitalismus und Innovation

In der Schweizer Wirtschaftszeitung Finanz und Wirtschaft findet sich ein Meinungsartikel zum Thema Schafft der Kapitalismus sich ab? Das Ende des Kapitalismus herbei zu schreiben, ist in jüngster Zeit ein beliebter Zeitvertreib geworden. Davon mag man halten, was man will.

Was mich an diesem Artikel vor allem interessiert hat, war folgende Aussage:

In den USA stieg die jährliche Wirtschaftsleistung pro Stunde zwischen 1920 und 1970 um 2,8%.
Seit 1970 sind es nur noch 1,6%, ein Rückgang um fast die Hälfte. Ein Blick auf die Faktoren, die das Wachstum treiben, ist besonders beängstigend. In beiden Perioden trugen mehr Kapital und mehr Bildung ca. 1% bei.
Das aber heisst, dass die Produktivität in den vergangenen vierzig Jahren nur noch 0,65% pro Jahr gewachsen ist – 1920 bis 1970 lag die Wachstumsrate noch dreimal so hoch.

Die Produktivität der Wirtschaft wächst offenbar zunehmend langsamer. Ein wesentlicher Faktor zur Steigerung der Produktivität ist der technische Fortschritt. Aber auch daran hapert es:

In den Siebzigerjahren genügten ein paar Männer und Frauen in den Forschungsabteilungen, um die Transistoren enger rücken zu lassen. Heute sind achtzehnmal so viele Personen notwendig, um die gleiche Zunahme zu erreichen.

Das ist eine alarmierende Nachricht. Und sie gilt auch für andere Bereiche, etwa die Medizin:

Während die ersten systematischen Versuche, in kleinen Gruppen neue Pharmaka zu finden, mit Wundermedikamenten wie Penizillin und Aspirin belohnt wurden, sind heute milliardenteure Armeen von Wissenschaftlern notwendig, um immer marginalere neue Heilmittel zu erzeugen.

Dieser Trend hat sich nach meinem Dafürhalten bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges klar herauskristallisiert. Big Science hieß damals das Schlagwort. An die Stelle einzelner Forscher in ihren kleinen Labors rückten die Großforschungsanlagen wie CERN und andere, wo jeder Versuchsaufbau mit Hunderten von Leuten bestückt ist und der Einzelne oft gar nicht mehr den Überblick über alle Projektdetails hat.

Klar, es wäre einfach zu viel verlangt, wollte man die Suche nach Neutrinos einem Einzelgänger anvertrauen. Viele Projekte erfordern einfach eine kritische Masse an Mensch und Material.

Doch zurück zum Artikel, der an seinem Ende mit einer überraschenden Aussage aufwartet. Dort heißt es:

Eine oft übersehene Tatsache ist, dass der Wettbewerb zwischen Unternehmen nur selten zu wirklichen Durchbrüchen anspornt. Wenn Firmen um Marktanteile kämpfen und auf die Kosten achten müssen, fehlt häufig der lange Atem, um auf das «nächste grosse Ding» zu setzen.
Viele Durchbrüche, die für einen guten Teil des technologischen Fortschritts in jüngerer Zeit verantwortlich waren, kamen aus staatlichen Technologieprogrammen oder den Forschungslabors von Quasi-Monopolisten. In der US-Computertechnologie ist die Verbindung besonders schlagend – ohne Kalten Krieg, Mondlandung und die Subventionen des Pentagons gäbe es keine moderne Computerindustrie.
Düsenflugzeuge verdanken wir den deutschen Rüstungsanstrengungen im Zweiten Weltkrieg, das Internet der Pentagon-Forschungsbehörde Darpa und die Atomtechnologie dem Manhattan Project, das die erste Kernwaffe entwickelte.
Dem ist klar zu widersprechen. Die Düsenflugzeuge waren eher das Werk tüftelnder deutscher Ingenieure, als dass dahinter ein Masterplan der Nazis steckte. Das Manhattan-Projekt war in der Tat ein erstes Aufleuchten der Big Science. Allerdings ging es dabei nur noch darum, die bereits zuvor im kleinen Rahmen entdeckte Kernspaltung (Otto Hahn und Mitarbeiter) nun zur kriegsentscheidenden Waffe zu machen. Auch dieses Großprojekt beruhte ganz wesentlich auf dem Wirken hervorragender Wissenschaftler, aber die eigentliche Entdeckung (Innovation) wurde in einem relativ kleinen Labor in Berlin gemacht. Und zwar ganz ohne staatliche Lenkung oder Voraussicht.

Was die Mondlandung betrifft, so handelt es sich hierbei in der Tat um eine gewaltige kollektive Anstrengung. Allerdings war der entscheidende Treiber der technische Wettlauf mit der Sowjetunion, die man auf keinen Fall gewinnen lassen wollte. Hinzu kam ein intellektuelles Umfeld, das einerseits technischen Großprojekten aufgeschlossen gegenüber stand und andererseits bereit war, menschliche Opfer in Kauf zu nehmen.

Ob es ohne die Subventionen des Pentagons keine moderne Computerindustrie gäbe, ist ebenfalls mehr als zweifelhaft. Denn zum einen war der Computer bis Anfang der 1980er Jahre eigentlich nur ein Werkzeug für Freaks. Er war natürlich bedeutsam in manchen professionellen Bereichen, aber zum Masseninstrument wurde er erst mit dem Aufkommen des PCs und der benutzerfreundlichen Software (Microsoft). Auch die Entwicklung des iPhones war letztlich nur dem Wirken eines einzelnen Visionsärs zu verdanken (Steve Jobs). Es ist geradezu grotesk, sich hinter Erfolgsgeschichten wie Apple, Microsoft, Amazon und Google das Wirken einer staatlichen Bürokratie oder eines Monopols vorzustellen. Ganz im Gegenteil: Hier hatten Einzelpersönlichkeiten brilliante Ideen und den Mut und die Tatkraft sowie das nötige Glück, sie ins Werk zu setzen. Und darauf kommt es an.










2018/02/24

Wissenschaft im Gleichschritt

Als ich in den 1980er Jahren Student war, gab es an unserem Physik-Institut einen Dozenten, der in seinem Büro folgendes Zitat hängen hatte:

Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. (Albert Einstein)

Gleich neben dem Poster mit diesem Zitat hing ein weiteres Bild: Karl Marx.

Obwohl Marx den Anspruch hatte, den Sozialismus wissenschaftlich zu begründen, waren er und seine Epigonen durchaus selektiv, wenn es darum ging, was als wissenschaftlich gelten durfte. Der Lyssenkoismus ist davon nur ein trauriges Beispiel von vielen. Doch auch in der Physik war den Marxisten nicht alles geheuer: Quanten- und Relativitätstheorie wurden lange Zeit hindurch abgelehnt.

Je mehr sich linkes Gedankengut in unserer Gesellschaft ausbreitete und zum dominierenden Mainstream wurde, umso mehr wurde auch die Wissenschaft in ein ideologisches Korsett gezwängt. In manchen Studiengängen, die sich per se einer objektiven und faktischen Überprüfung entzogen, gehörte der ideologische Überbau quasi zum Programm. Aber auch die Naturwissenschaften blieben nicht ausgespart und müssen sich immer mehr hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Relevanz rechtfertigen.

Wohin dieser Druck führt, zeigt sehr anschaulich ein Artikel von Boris Kotchoubey. Man wird sehen, inwiefern die Wissenschaft diese schädlichen Tendenzen wieder abschütteln kann. Je einseitiger der Blickwinkel wissenschaftlicher Erkenntnisse ist, umso weniger werden abweichende Standpunkte akzeptiert. Die Vergabe von Forschungsgeldern nach fachfremden Kriterien verstärkt diese Einseitigkeit. Am Ende geht es nicht mehr darum, zu erkennen, "was die Welt im Innersten zusammenhält", sondern um die fortlaufende Bestätigung des ewig Gleichen. Eine Art Erkenntnisblase.

Dabei ist Wissenschaft ganz wesentlich von Geist des Skeptizismus geprägt, vom Hinterfragen des Erreichten und Bestehenden, von der Herausforderung durch neue Ansätze, Theorien und Modelle. Wenn dieser Geist aus politischen oder pragmatischen Gründen immer mehr ausgetrocknet wird, wird endlich auch die Produktivität der Wissenschaft verdorren.

Immer wieder wird von der gesellschaftlichen Verantwortung der Forschung gesprochen und diese teils vehement eingefordert. Es ist schon klar, dass der Wissenschaftler nicht losgelöst von der gesellschaftlichen Wirklichkeit Erkenntnisse produziert. Wenn diese Forderung allerdings dazu führt, dass der Forschende gewisse Pfade nicht mehr beschreiten darf und ihm somit bestimmte Erkenntniswege abgeschnitten werden, so wird damit unmittelbar die Axt an Erkenntnisprozess gelegt. Und das wird, früher oder später, wieder Auswirkungen auf die Gesellschaft haben. Und es ist gut möglich, dass diese Folgewirkungen negativ zu spüren sein werden.


2017/10/10

Die Start-Up-Wette

Start-ups gelten als Hoffnungsträger, um aus der ökonomischen Dauerkrise zu kommen. Man verspricht sich Innovationen, Arbeitsplätze und nicht zuletzt neue Steuereinnahmen. Allerdings sind Start-ups risikobehaftet. Denn man weiß, dass etwa 90% dieser Hoffnungsträger nach zwei bis drei Jahren nicht mehr existieren. Und nur die verbliebenen 10% schaffen es, im Wirtschaftsleben Fuß zu fassen und sich gegen die alte Konkurrenz durchzusetzen. Und noch weniger werden zu echten Geldmaschinen à la Google, Amazon oder Microsoft.

Der Hype um die Start-ups ist manchen politisch Verantwortlichen wohl etwas zu Kopf gestiegen. Deshalb gibt es nun mancherorts Fördergelder (gesponsort aus Steuereinnahmen), in der Erwartung, dass im Teich der gerade geschlüpften Entenbabys der eine oder andere Schwan verborgen sein mag, der alle anderen Entlein prächtig überstrahlt und die Verluste aus den abgesoffenen Küken spielend wieder ausgleicht.

Ist das wirklich ein realistisches Szenario? Machen wir eine kleine Rechnung. Nehmen wir an, wir haben 10 Start-ups, die sich um unseren Geldsegen bewerben. Jedes Jungunternehmen bekommt von uns einen Scheck über eine Million Euro. Nach drei Jahren schauen wir wieder nach, was aus den jungen Küken geworden ist. Im statistischen Mittel sind nach dieser Zeit neun von ihnen verschwunden, und nur eines ist noch im Teich übrig. Mit anderen Worten: Wir haben bei unserer Wette (und um nichts anderes geht es) 9 Millionen versenkt, und nur eine Million ist noch im Rennen, um uns reich zu machen. Es ist vielleicht etwas zuviel verlangt, von einem erfolgreichen Start-up zu erwarten, dass es nach drei Jahren bereits soviel verdient, um unsere gesamten bisher angehäuften Verluste wieder auszugleichen. Aber vielleicht nach 10 Jahren? Um per Saldo ohne Verluste aus diesem Gambling auszusteigen, müssen wir also erwarten, dass sich der Wert des einen erfolgreichen Start-ups irgendwann verzehnfacht hat.

Man muss sich also fragen, wie viele Jungunternehmen es gibt, deren Wert innerhalb eines bestimmten Zeitraums um einen Faktor 10 zulegt. Nehmen wir an, unser Start-up hätte sich innerhalb von zehn Jahren im Wert verdoppelt. Keine schlechte Leistung, wie ich meine. Und dennoch wäre unser anfängliches Investment in diesem Fall immer  noch negativ. Denn alles, was schlechter ist als ein Faktor zehn, macht uns effektiv ärmer. Alles, was besser ist, macht uns dafür reicher.

Was hier abgeht, ist also eine hochriskante Wette. Die Frage ist, ob diese Wette mit Steuergeldern finanziert werden muss.