2019/03/21

Wenn Österreich einspringt

...um das deutsche Stromnetz zu stabilisieren, dann liest sich das beispielsweise so:

Die Instabilität des deutschen Stromnetzes fordert die Linz AG. Weil der unregelmäßig erzeugte Windstrom aus Norddeutschland wegen mangelnder Leitungskapazitäten nur schwer zu den großen Abnehmern der Industrie im Süden transportiert werden kann, müssen südliche Stromerzeuger immer kurzfristiger "dagegenhalten".
Die Linz AG musste im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2017/18 an exakt 100 Tagen einspringen und die Gasturbinen anwerfen, um die Netzstabilität in Europa aufrechtzuerhalten. Das waren 18 Tage mehr als im Jahr davor. "Ohne unsere flexiblen Gaskraftwerke wären die Netze nicht aufrechtzuerhalten gewesen", sagte Vorstandsdirektor Wolfgang Dopf gestern bei der Präsentation der Bilanz.

Mehr dazu hier.


2019/03/16

Der deutsche Strommix - Februar 2019

Auch der Februar 2019 zeigt sich von sehr divergierenden Seiten, was die Regenerativen betrifft.


An manchen Tagen in der zweiten Monatshälfte wehte der Wind recht schwach, und nur die Photovoltaik konnte (wenigstens stundenweise) die Bilanz der Regenerativen einigermaßen zufriedenstellend aussehen lassen.


2019/03/11

Regenerative versus Kernenergie und einige Mythen

Auf Energy Matters geht es um den Vergleich zwischen regenerativen Energien und Kernenergie, insbesondere um einige Mythen, die sich um dieses Thema ranken.

Nachdem er einige dieser Mythen vorgestellt hat, bringt Euan Mearns es auf den Punkt:
The main point I want to make here is that most universities around the world now have some form of ecology, environmental studies or sustainability department and these departments attract a certain kind of individual. In the same way that divinity departments attract mainly those who believe in Jesus and God, sustainability departments attract those who believe in climate alarmism and renewable energy. A self sustaining monster has been created where throngs of environmentalists have created dozens of journals, peer reviewing each others dross and making believe that this is science. In my opinion, this is one of the biggest threats to society today.

Das ganze Stück sowie eine Reihe lesenswerter Kommentare hier.


2019/02/22

Korruption in der Wissenschaft

Dass große Teile der Geisteswissenschaften bereits von Postmodernismus und Identitätspolitik zerrüttet wurden, ist nicht nur auf diesem Blog gelegentliches Thema. Im allgemeinen wähnen sich die "harten Wissenschaften" weitgehend immun gegen dieses intellektuelle Gift.

Doch der Schein trügt. Selbst die Physik sieht sich mit den "Errungenschaften" der Identitätspolitik konfrontiert, wie unter anderem der Fall Alessandro Strumia zeigt.

Gad Saad, einer profiliertesten Vorkämpfer dessen, was man einst Meinungsfreiheit nannte, führte mit Strumia ein absolut hörenswertes Interview, das auf Youtube zu sehen ist (auf Englisch).



Manche Leute gehen sogar soweit zu behaupten, dass es die Absicht des Postmodernismus ist, die Wissenschaft als einen zentralen Teil unserer westlichen Kultur zu zerstören. Ob das tatsächlich so ist, kann ich hier nicht endgültig beurteilen. Ob absichtsvoll oder nicht, der Trend weist jedenfalls in genau diese Richtung.

2019/02/17

Sind Schweine gefährlicher als Diesel-Autos?

Der Statistiker Walter Krämer geht in seiner jüngsten Unstatistik des Monats dieser Frage nach und liefert verblüffende Einblicke in den Themenkreis "vorzeitige Todesfälle".

Hieraus ein paar Highlights:
  • Schweine sind gefährlicher als Diesel-Autos: Rund 50.000 Menschen sterben vorzeitig Jahr für Jahr in Deutschland an den Emissionen der Landwirtschaft (insbesondere der Massentierhaltung) errechnet das Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie. Das seien 45 Prozent und damit der größte Teil der jährlich knapp 120.000 vorzeitigen Todesfälle durch Feinstaub – doppelt so viele wie bisher angenommen. Für die Tagesschau ist damit klar, dass Feinstaub ebenso gefährlich ist wie Rauchen.
  • Doch das Konzept der „Anzahl vorzeitiger Todesfälle“ ist ein Musterbeispiel einer Unstatistik. Zunächst stirbt in Deutschland kein einziger Mensch an Feinstaub, sondern an Erkrankungen, die durch Feinstaub (mit)verursacht sein können, es aber nicht sein müssen. Das Max-Planck-Institut untersucht auch gar nicht, ob Feinstaub die Gesundheit von Menschen beeinflusst, sondern setzt voraus, dass dies der Fall ist und darüber hinaus sogar quantifiziert werden kann. Dabei handelt es sich aber nicht um gemessene Fakten, sondern um Modellergebnisse, die auf Annahmen beruhen und eine hohe Unsicherheit von mindestens +/- 50 Prozent aufweisen.
  • Deshalb ist zwar eine Aussage über die durchschnittliche Zahl verlorener Lebensjahre pro Person vernünftig, aber eine Aussage über die Zahl vorzeitiger Todesfälle durch Feinstaub ist es nicht. Denn letztere kann viel kleiner sein oder auch viel größer, als uns diese Unstatistik glauben macht. Wer wie die Tagesschau suggeriert, das Max-Planck-Institut hätte nun durch präzise Berechnungen widerlegt, was man zuvor nur angenommen hat, der handelt mindestens grob fahrlässig.
Soweit Krämer. Bemerkenswert der Satz: "[...] der handelt mindestens grob fahrlässig". An dieser Stelle sollte man innehalten. In den Mainstreammedien wird die (mathematische) Unsicherheit, die allen Abschätzungen um Feinstaubtote zugrunde liegt, geflissentlich verschwiegen. Es wäre aber auch zuviel verlangt, würde man von Journalisten erwarten, die Rechenergebnisse eines Max-Planck-Instituts zu hinterfragen. Das hängst nicht nur mit ihrem Mangel an wissenschaftlichem Denken zusammen, sondern auch mit dem Renommee, das eine ehrwürdige Institution wie das MPI umgibt. Wer würde schon, zumal ohne fachliche Meriten, diesen Zahlen widersprechen wollen. Und dass die meisten Medienleute anfällig für grüne Propaganda sind, ist hinlänglich bekannt. 

Aber das Problem liegt tiefer und beginnt bereits beim MPI und seinen Mitarbeitern. Denn ohne die Vorlage der Wissenschaftler hätten die Medien nie darüber berichtet. Wollten sich da gewisse Leute einen Namen in der Öffentlichkeit machen? Oder sollte einfach nur eine bestimmte Politik unterstützt werden? Reitet man auf einer Welle, die Aufmerksamkeit (und damit weitere Fördergelder) verspricht? Ich weiß es nicht. 

Die Originalquelle dieser Unstatistik, also die MPI-Studie, ist übrigens hier zu finden. Der Artikel nimmt nicht nur Europa in den Fokus, sondern behandelt auch Nordamerika sowie Ost- und Südasien. Es werden vorzeitige Todesraten abgeschätzt und mittels spezieller Modellannahmen (die übrigens hinterfragbar sind) mit ebenfalls abgeschätzten Emissionsraten in Beziehung gesetzt.

Die MPI-Arbeit behauptet beispielsweise, dass in Europa die Sterblichkeit, die bestimmten Feinstaubpartikeln aus der Landwirtschaft zugeordnet werden kann, um 52 000 Todesfälle jährlich reduziert werden könnte bei einer Minderung der Emissionen um 50%. Bei einer 100%igen Emissionsminderung könnten gar 222 000 Todesfälle vermieden werden. Man kann natürlich darüber diskutieren, was man in diesem Zusammenhang unter "vermeiden" verstehen soll. Das soll an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden.

Vielmehr geht es mir darum, die genannten "vermiedenen" Todesfälle in Relation zu setzen zu den tatsächlichen jährlichen Sterberaten. Laut Eurostat starben im Jahr 2016 etwa 5,1 Millionen Menschen allein in der EU. Die oben genannten 52 000 vermiedenen Todesfälle würden demnach etwa einem Prozent der gesamten Todesfälle innerhalb der EU entsprechen. Fasst man den Begriff "Europa" weiter, dann verringert sich der prozentuale Wert entsprechend. De facto müsste man also von deutlich unter einem Prozent ausgehen, selbst wenn das Modell korrekt ist.

Um es nochmal plastisch vor Augen zu führen: Würde man, entsprechend der MPI-Studie, die Feinstaubemissionen der Landwirtschaft um die Hälfte verringern, so würden von 100 Leuten "nur" 99 sterben. Anders gesagt: von statistisch gesehen 100 Todesfällen könnte einer vermieden werden. Und diese Reduktion der Sterblichkeit geht mit einer Emissionsminderung von 50% einher. 




2019/02/08

Der deutsche Strommix - Januar 2019

Von jetzt an soll regelmäßig über deutsche Stromproduktion aus regenerativen und anderen Quellen berichtet werden. Die Informationen stammen vom Agorameter.

Den Anfang macht der Januar 2019.


Deutschlands Stromproduktion im Januar 2019
Da gab es einige Tage, wo der Beitrag des Windes sehr dürftig war, vor allem in der zweiten Monatshälfte. Allein der Strom aus Photovoltaik kann gelegentlich ein wenig aufblitzen. Auch wenn die Produktionsspitzen der regenerativen Energien kurzzeitig in die Nähe der Verbrauchswerte gelangen, so ist doch in der weitaus überwiegenden Zahl der Tage der Strom aus Wind und Sonne weit ab vom Schuss. Sozusagen ein typischer Januar.




2019/02/02

Eine kurze Geschichte der Kohle (3) - Blick auf die Gegenwart

Ende 2018 wurde die letzte deutsche Zeche (Prosper Haniel) geschlossen. Damit ging eine langjährige Tradition zu Ende. Und zwar völlig sang- und klanglos. Einige Medien berichteten darüber.

Wie in zwei früheren Postings dargelegt, steht die Nutzung der Kohle als Energielieferant am Anfang der Industrialisierung in Großbritannien und Deutschland (und anderen Ländern). Der erste Weltkrieg führte zu einer Zäsur dieser Entwicklung. Bald darauf begann das Erdöl seinen Siegeszug und verdrängte die Kohle vor allem im Bereich der Mobilität.

Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging die Kohleförderung in Europa stark zurück, in erster Linie aus Kostengründen. Importkohle aus Australien, Nord- und Südamerika und China war deutlich günstiger und einfacher zu gewinnen.

Noch gibt es in Europa etliche mit Kohle befeuerte Kraftwerke, die die nötige Grundlast der Elektrizitätsversorgung liefern, doch nicht mehr lange, wie das Beispiel Deutschland zeigt. Und so scheint es dem Bewohner der Alten Welt, dass das fossile Zeitalter endgültig an sein Ende gekommen sei.

Doch dieser Eindruck täuscht. Ein Blick nach China zeigt, dass der gewaltige ökonomische Aufschwung, den das Land erlebte, zu einem nicht unwesentlichen Teil von der Nutzung der Kohle getrieben wurde. Beinahe meint man, ein déjà-vu-Erlebnis zu haben. Ebenso wie auf dem europäischen Kontinent im 19. Jahrhundert, so ist der wirtschaftliche Aufstieg Chinas unmittelbar mit der Verfügbarkeit fossiler Energien verknüpft.

Man sehe sich folgende Graphik an, deren Rohdaten aus der Statistical Review of World Energy von BP stammen.

Fig. 1 Kohleverbrauch in ausgewählten Ländern.

Spätestens jetzt wird klar, dass all die Bemühungen um den Kohleausstieg in Ländern wie Großbritannien und Deutschland (und anderswo) eigentlich nur ein laues Hintergrundrauschen sind verglichen mit der jüngsten Entwicklung im Reich der Mitte. Es versteht sich von selbst, dass die entsprechenden Daten über die CO2-Emissionen ein analoges Bild liefern. Auch hier spielt die Musik längst nicht mehr in Europa. Selbst die USA haben in den letzten Jahren ihren Kohleverbrauch spürbar reduziert.

Auch wenn wir in Europa die Kohle zum Auslaufmodell erklären - die weltweite Entwicklung spricht jedenfalls eine deutlich andere Sprache. Das sollte man sich vor Augen halten.