2018/09/22

Der Bankrott der Universitäten in den USA

Über den Verfall der Universitäten, insbesondere in den Vereinigten Staaten, wurde schon einiges geschrieben. Danisch liefert immer wieder lesenswerte Beiträge zu diesem Themenkreis, z. B. hier.

Erst kürzlich erschien dazu ein Artikel in der NZZ. Pikanterweise und sicherlich unbeabsichtigt bestätigt der etwas salbadernde Grundton des Artikels, dass das Übel der auf political correctness gebürsteten Universitäten keineswegs ein rein transatlantisches ist. Allerdings tritt dort das Problem mit Sprechverboten für unerwünschte Meinungen, Mikroaggressionen, Bafe Spaces und sonstigem Brimborium nur etwas greller ins Rampenlicht.

In Europa ist die Lage noch nicht ganz so verfahren, aber der Trend geht eindeutig in dieselbe Richtung. Und da und dort soll schon mal eine Veranstaltung einer gutmenschlichen Intervention zum Opfer gefallen sein.

Nun ja, das sind eben die Segnungen des Kulturmarxismus. Über Wesen und Wirkung dieser Ideologie gibt es eine Reihe von Artikeln im Netz. Wer Videos bevorzugt, ist hier gut aufgehoben.

Was Mikroaggressionen sind, weiß ich schon wesentlich länger als die kulturmarxistischen Theoretiker. Und zwar aus praktischer Erfahrung. Eine der Schwestern meiner Oma besaß nach außen hin ein sehr weiches, beinahe verletzliches Wesen. Wer sie aber näher kannte, wusste, dass hinter dieser weichen Schale ein sehr rauer, manche würden sagen: aggressiver Kern steckte. Und wenn ihr jemand nicht nach der Pfeife tanzte, sagte sie einfach: "Der (oder die) kann mich nicht leiden" und nahm gekonnt die Opferrolle ein. Spätestens dann konnte sie wirklich niemand mehr leiden. Aber wehe, irgend jemand sprach das offen aus.

Doch zurück zum Universitätsbetrieb. Als ich noch an der Uni studierte, hatte ich einen Studienkollegen, der nicht nur strammer Marxist war, sondern sich auch auf eine Laufbahn als Physiklehrer an einem Gymnasium vorbereitete. Als ich ihn nach einiger Zeit wieder einmal traf und ihn nach seinen beruflichen Erfahrungen fragte, erzählte er mir etwas sehr Bemerkenswertes. Als er nämlich seine erste Klasse übernommen hatte, stellte er sich vor die Schüler hin und sagte, sie sollten ihm überhaupt nichts glauben und alles kritisch hinterfragen... Dass zum kritischen Hinterfragen ein einigermaßen solides Grundwissen gehört, scheint ihm gar nicht in den Sinn gekommen zu sein. Und dass dieses Unterrichtskonzept nicht sehr tragfähig ist, sollte einem durchschnittlich geerdeten Zeitgenossen eigentlich klar sein. Nun, auch mein Kollege musste Lehrgeld bezahlen und seinen unkonventionellen Stil wieder einmotten, um hinfort wieder etwas stinknormales Wissen unters Volk zu bringen. Die völlige Anarchie seines ursprünglichen Konzept produzierte letztlich nur - Anarchie, und eben kein Verständnis für (elementare) physikalische Sachverhalte. Dies nur als Beispiel, wie man mit Ideologie an die Wand fahren kann.

Wenn ich mich zurückerinnere an die 1980er Jahre, so war das Universitätsklima damals zwar deutlich offener und liberaler als heute. Gleichwohl gab es in einigen Bereichen (auch bei uns in der Physik) sehr aktive Fachschaften, die einen sehr markanten Linkstrend aufwiesen. Nun ist die Physik zwar eine Wissenschaft, in der (im Prinzip jedenfalls) nur objektive Fakten zählen. Was aber stramme Ideologen nicht daran hindert, dem Fachbereich ihren Stempel aufzudrücken (etwa in personeller Hinsicht). Ja, selbst die Mathematik ist inzwischen von diesem Virus infiziert.

Und hierin liegt auch ein Schlüssel für das Verständnis dessen, was an den Universitäten seither geschehen ist. Denn es ist ja keineswegs so, dass die Unis holterdipolter von Außerirdischen gekapert worden wären. Was wir gegenwärtig sehen, ist nur das (vorläufige?) Ergebnis einer Entwicklung, die schon lange absehbar war. "Aktivisten" drängen auf die Schaffung bestimmter Normen, die anschließend immer weiter ausgedehnt werden. Während die europäischen Universitäten jahrhundertelang ohne Frauenbeauftragte auskamen, wurde es irgendwann Usus, an jeder Hochschule eine solche Stelle zu schaffen. Wer meinte, damit sei dem Drängen Genüge getan, wurde rasch eines Besseren belehrt. Denn schon bald musste auch jeder Fachbereich eine eigene Frauenbeauftragte haben.

Hätte irgendjemand in den 1980er Jahren vorhergesagt, dass es 2018 mehr als 200 Genderprofessuren in Deutschland geben würde, wäre er für leicht verrückt erklärt worden. Diese Professuren fielen ja nicht vom Himmel oder wurden aufgrund göttlicher Gnade geschaffen. Vielmehr steckt dahinter ein überaus professionelles Lobbying, das bis in höchste politische Kreise reicht. Und so sind wir inzwischen an einem Punkt angelangt, wo der gegenteilige Standpunkt für verrückt erklärt werden würde. Denn Genderprofessuren sind heute eben "normal". Und wer könnte etwas gegen das Normale haben?

Aber das Thema "Gender" ist eben nur ein Aspekt unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation. In anderen Themenfeldern wurde ein ganz ähnlicher Kurs gefahren: man denke nur daran, was alles gesagt (oder besser: nicht gesagt) werden darf; an Sprechverbote, die natürlich offiziell gar nicht existieren, die aber leider "aus Sicherheitsgründen" angemessen erscheinen; an den ganzen Zinnober mit Mikroaggressionen, Safe Spaces und so weiter.

Ein entscheidender Punkt ist auch, dass viele dieser neuen "Regeln" gar nicht formal aufgestellt wurden, dass aber ein Verstoß gegen dieselben sofort harsche Konsequenzen nach sich zieht. Es genügt ein vielleicht etwas dümmlicher Witz oder eine flapsige Bemerkung, um eine verdienstvolle Karriere unverzüglich zu beenden und jemanden zur Unperson zu machen. Der Nobelpreisträger Tim Hunt ist dafür nur ein Beispiel von mehreren.

Wie die MeToo-Kampagne zeigte, genügen manchmal Gerüchte über Ereignisse, die sich vor 20 oder 30 Jahren ereignet haben sollen, um jemanden aus der Bahn zu werfen. Und das ganz ohne Gerichtsverfahren. Private Dinge (in vielen Fällen ohne jegliche strafrechtliche Relevanz) werden mit aller Gewalt an die Öffentlichkeit gezerrt, um sie gegen eine bestimmte Person einzusetzen. Und in den meisten Fällen gelingt das sogar mit Erfolg.

Ja, so sieht es aus, wenn das Private politisch wird. Die Ansätze dieser gesellschaftlichen Strömung gehen bis in die 1960er Jahre zurück. Und ihr Einfluss ist heute größer als je zuvor.










2018/09/14

Warum "regenerativ" und nicht "erneuerbar"?

Leser dieses Blogs wissen, dass ich nicht von erneuerbaren Energien spreche, sondern grundsätzlich nur von regenerativen. Z. B. hier. Warum ist das so?

Nun, ganz einfach. Energie ist nicht erneuerbar.

Energie kann nur von einem Zustand in einen anderen übergeführt werden. Sie kann weder erzeugt noch vernichtet werden. Das ist eines der grundlegendsten physikalischen Gesetze.

Wie hat man sich das vorzustellen? Das Benzin im Tank meines Autos entspricht einer bestimmten Energiemenge. Wenn ich mit dem Auto fahre, wird ein Teil dieser Energie (Wirkungsgrad kleiner als 100%) in kinetische (also Bewegungs-) Energie umgewandelt. Wenn ich bremse, erhitzen sich die Bremsscheiben, d.h. die kinetische Energie wird in Wärme umgewandelt. Für die naturwissenschaftlich Interessierten: Es ist schon klar, dass Wärme auch nichts anderes als Bewegungsenergie (von Atomen und Molekülen) ist. Nur ist die Bewegung aufgrund von Wärme sehr ungeordnet, während die Bewegung des Automobils (im Allgemeinen) recht geordnet vonstatten geht.

Warum also regenerativ? Dieser Begriff macht Sinn, denn er zielt darauf ab, dass etwas in gleicher Weise wieder erzeugt (als re-generiert) werden kann. Wann immer die Sonne scheint, liefern meine Photovoltaik-Paneele Strom. Dieser Prozess läuft immer in gleicher Weise ab. Streng genommen, gilt das natürlich nur, solange die Sonne in gleicher Weise scheint, was im Laufe unserer kurzen Lebensspanne tatsächlich der Fall ist. Man bedenke, dass die Sonne in jeder Sekunde (!) 4 Millionen Tonnen an Masse verliert aufgrund der gewaltigen Kernreaktionen, die dort ablaufen. Glücklicherweise ist die Masse der Sonne so groß, dass wir davon, selbst im Lauf von vielen Jahren, praktisch nichts merken.

Die Sonne kann also als eine stabile Quelle angesehen werden, die uns den Betrieb regenerativer Energien ermöglicht.

Zum Vergleich: Wenn ich ein Stück Kohle verbrenne, gewinne ich während des Brennvorganges die darin enthaltene Energie (z. B. um mein Haus zu wärmen). Aber sobald nur noch ein Haufen Asche übrig ist, ist die Sache zu Ende. Hier lässt sich nichts re-generieren. Das gilt mutatis mutandis für alle fossilen Energieträger.

Der Begriff "erneuerbare Energien" suggeriert etwas, das es nicht gibt. Es handelt sich um einen grünen Propagandabegriff, der von willfährigen Medien eifrig unters Volk gebracht wird. Vielleicht ist er deshalb so erfolgreich, weil er eben immer gegenwärtig ist. Richtig wird die Sache deshalb noch lange nicht.


2018/09/08

PV in Schottland - Nachtrag

Ich komme nochmal zurück auf mein letztes Posting. Dort wurde unter anderem dieses Bild gezeigt:

Fig. 1 Stromproduktion aus Photovoltaik (schwarz) und Stromverbrauch (rot) in Schottland

Schön zu sehen sind hier die Variationen beim Stromverbrauch, der im Sommer deutlich niedriger ist als im Winter, und bei der Stromproduktion aus PV, wo es gerade umgekehrt ist.

Wie bereits angemerkt, ist dieses Bild einem Artikel von Roger Andrews aus Energy Matters entnommen. Dort werden auch Quellen zitiert, die davon schwadronieren, Solarenergie könnte den gesamten schottischen Energiebedarf abdecken ("could power all Scottish electricity supplies").

Was hat es damit auf sich? Nun, wenn wir uns obiges Bild genau ansehen, ergibt sich der Eindruck, dass die Überproduktion des Sommers tatsächlich die PV-Stromlücke im Winter ausgleichen könnte.
Rechnen wir mal nach. Der Stromverbrauch von März bis September liegt etwas unter 3 TWh pro Monat. Überschlagsmäßig kommen wir für diese Periode auf einen Gesamtverbrauch von rund 15 TWh. In den übrigen Monaten beträgt der Strombedarf dann rund 20 TWh, während die PV-Produktion demgegenüber weit zurückfällt.

Man müsste also ca. 20 TWh an elektrischer Energie so speichern, dass sie für den ganzen Winter zur Verfügung steht. Nach derzeitigem Stand der Technik kämen bei so gewaltigen Energiemengen eigentlich nur Pumpspeicherkraftwerke in Frage.

Also schauen wir mal nach, wie es mit diesen Pumpspeicherkraftwerken aussieht. Gemäß der europäischen Statistikbehörde Eurostat gab es 2016 in der gesamten EU eine Speicherkapazität von knapp 25 GW. Diese Speicherkraftwerke produzierten im selben Jahr rund 30 TWh. Mit anderen Worten: die gesamten Pumpspeicher der EU produzierten 2016 gerade mal eineinhalb mal soviel elektrische Energie, wie Schottland allein im Winter benötigt. Von den 30 TWh gehen rund 3 TWh, also knapp 10 %, auf das Konto des Vereinigten Königreichs. Man bedenke auch, dass dies ganzjährige Werte sind, während wir im Fall Schottland nur vom Bedarf im Winter reden.

Daraus folgt: Es bräuchte fast die gesamte Speicherkapazität der EU, um allein den schottischen Strombedarf im Winter abzudecken.

Also rein rechnerisch mag die grüne Phantasie could power all Scottish electricity supplies zutreffend sein. In der Praxis klafft hier allerdings eine gewaltige Lücke, es sei denn man nimmt an, dass die gesamte EU bereits steht, um (ausschließlich) einen kleinen Teil Großbritanniens mit Strom zu versorgen. Das ist völlig abwegig.

Man fragt sich, ob mit Meldungen wie der oben genannten die Menschen manipuliert werden sollen. Denn letztlich wird eine Versorgungssicherheit suggeriert, die es zumindest mit dem jetzigen Stand der Technik nicht gibt.


2018/08/26

Photovoltaik in Schottland und Österreich

Roger Andrews berichtet auf Energy Matters über das PV-Potential in Schottland. Wie üblich blickt der Autor hinter die Fassade grüner Propaganda und stellt Dinge richtig, die in den Manipulationsmedien gerne unter den Tisch fallen.

Schottland gehört zu den nördlichen Teilen Europas, was für die Aufstellung von Photovoltaikanlagen nicht eben vorteilhaft ist. Der Kapazitätsfaktor bewegt sich irgendwo zwischen 8 und 9% . Zur Erinnerung: Kapazitätsfaktor heißt jene Größe, die sich aus der Formel

c = kWh(prod)/(24*365*kWp)

berechnet. Kurz gesagt ist dies das Verhältnis der tatsächlich produzierten Kilowattstunden zur theoretisch möglichen Produktionskapazität bei voller Auslastung. Man kann es vereinfacht auch so formulieren: In Schottland laufen die PV-Paneele 8% des Jahres auf vollen Touren und die restlichen 92% der Zeit ist Pause.

Der Kapazitätsfaktor schwankt jahreszeitlich sehr stark. Graphisch sieht das dann so aus:

Fig. 1 Kapazitätsfaktoren dreier PV-Anlagen in Schottland. Quelle: http://euanmearns.com/solar-pv-potential-in-scotland/

In den Sommermonaten sind die Kapazitätsfaktoren mehr als zehnmal so groß wie in den Wintermonaten. Entsprechend ist auch die Stromproduktion im Sommer mehr als zehnmal so hoch wie im Winter.

Das Land besitzt etwa 40 GW an installierter PV-Leistung. Schottlands Elektrizitätsbedarf beläuft sich auf rund 35 TWh jährlich. Sowohl die Leistung der Photovoltaikanlagen als auch der Stromverbrauch sind jahreszeitlichen Schwankungen - allerdings mit unterschiedlicher Intensität - unterworfen. In der Praxis sieht das dann so aus:

Fig. 2 PV-Produktion und Stromverbrauch in Schottland. Quelle: http://euanmearns.com/solar-pv-potential-in-scotland/

Es ist das übliche Bild: Eklatante Überproduktion in den Sommermonaten, wenn der Verbrauch gering ist, und signifikante Unterproduktion im Winter, wo der Verbrauch seine Höchstwerte erreicht.

Könnte man die Überproduktion des Sommers so speichern, dass sie für die kalte Jahreszeit zur Verfügung stünde, wäre es in der Tat möglich, den gesamten Jahresbedarf mit PV zu decken. Allerdings benötigte man dafür Speicherkapazitäten in der Größenordnung von 20 TWh, was auf absehbare Zeit klar jenseits der gegenwärtigen Möglichkeiten liegt.

Wie sieht es zum Vergleich in Österreich aus? Wie bereits in einem früheren Posting besprochen, habe ich Zugang zu den Daten einer PV-Anlage in Linz, die im privaten Rahmen betrieben wird.

Das Verhältnis aus Eigenproduktion und Stromverbrauch stellt sich bei dieser Anlage folgendermaßen dar:

Fig. 3 PV-Produktion und Stromverbrauch einer PV-Anlage in Linz 

Auch hier hervorstechend das Auseinanderklaffen zwischen Produktion und Verbrauch im jahreszeitlichen Ablauf. Die PV-Anlage ist mit 2,4 kWp etwas unterdimensioniert, sodass auch im Sommer nicht der gesamte Verbrauch durch Eigenproduktion gedeckt werden kann.

Was den Kapazitätsfaktor dieser Installation betrifft, sei auf folgende Graphik verwiesen, die sich aus den Produktionsdaten der letzten Jahre ergeben:

Fig. 4 Kapazitätsfaktor einer PV-Anlage in Linz. Gemessene Werte (blau) und Trendlinie (schwarz). Baujahr 1996. 

Der mittlere Kapazitätsfaktor im Jahreslauf beläuft sich auf 9-10% mit leicht fallender Tendenz. Die Anlage ist seit 22 Jahren in Betrieb.

Verglichen mit Schottland erlaubt die Nutzung der Photovoltaik etwas höhere Ausbeuten im nördlichen Österreich. Allerdings sollte man auch hier keine Wunder erwarten. Der Kapazitätsfaktor einer Anlage in Linz liegt etwa 1-2 Prozentpunkte über jenen, die man für schottische Verhältnisse erwarten darf.

Ansonsten gibt es hier wie dort gewaltige Schwankungen der Stromproduktion zwischen einzelnen Monaten, die einer dem Verbrauch angepassten Versorgung eindeutig im Wege stehen. Das zentrale Problem ist - wie immer bei regenerativen Energien - die Schaffung entsprechender Speicherkapazitäten.







2018/08/21

Gelenktes Wissen

In manchen Ländern gibt es eine sogenannte gelenkte Demokratie.

Auf YouTube gibt es demnächst das Format gelenktes Wissen. Offenbar hat man sich dort das Ziel gesetzt, die Menschheit vor falschen Ideen zu schützen.

Konkret: Wann immer die bösen Klimaleugner ihre Stimme erheben, sollen die unschuldigen Zuhörer mit Einblendungen über die "wahren Fakten" informiert werden, auf dass der Klimakirche keine Seele verloren gehe.

So wie einst die Kirche wacker Exorzismus betrieb, will die Medienplattform damit gegen Falschinformationen und Verschwörungstheorien ankämpfen. Ein hehres Ziel.

Der Medienkonsument als Volltrottel, der ohne diese "Fakten" der Verdammnis ausgeliefert wäre. Eigenes Denken wird wohl für unmöglich gehalten und ist vielleicht auch gar nicht erwünscht.

2018/08/14

Notizen zum E-Auto (3)

Im vorigen Beitrag zu dieser kleinen Serie ging es um die Energieversorgung der batteriebetriebenen Autos.

Nun weiß man seit einiger Zeit, dass die regenerativen Energien sehr schwankungsanfällig sind. Es gibt zum Teil längere Phasen, wo der Wind in Deutschland fast gar nicht weht, und solche, wo die Rotoren tagelang am Anschlag drehen. Diese ungleichmäßige Stromproduktion hat zur Folge, dass ständig ein eigener (konventioneller) Kraftwerkspark in Bereitschaft gehalten werden muss, um im (gar nicht so seltenen) Notfall einspringen zu können. Ein Teil dieser Schwankungen kann über Exporte (zum Freundschaftspreis) ausgeglichen werden.

In den letzten Jahren hat sich die Menge des aus Deutschland exportierten Stroms enorm gesteigert. Betrachtet man den Saldo aus Importen und Exporten, so ergibt sich folgendes Bild (Quellen hier und hier):

Fig. 1 Netto-Stromexportsaldo Deutschlands. Der Trend geht eindeutig nach oben. 


2015 waren das über 50 TWh, die per Saldo in die Nachbarländer gingen.

Wie sieht es nun mit dem Energiebedarf im Straßenverkehr aus? Nach der deutschen Statistikbehörde Destatis betrug der Energieverbrauch im Pkw-Verkehr im Jahr 2015 421 TWh. (Destatis gibt die Werte in Petajoule PJ an, Umrechnung in TWh von mir).

Gehen wir wie im vorigen Posting davon aus, dass sich der Verbrauch der Stromer etwa auf ein Viertel (25%) des entsprechenden Wertes für die fossil betriebenen Pkws reduzieren könnte (eine sehr optimistische Annahme), dann hätten wir immer noch einen Energiebedarf von 105 TWh. Das ist mehr als doppelt soviel wie der Stromüberschuss, der ins Ausland geliefert wird.

Mit anderen Worten: Selbst wenn es gelänge, die gesamte Überschussproduktion aus Windkraft und Photovoltaikanlagen in die Batterien von Pkws zu stecken, wäre das unter den günstigsten Voraussetzungen erst die Hälfte dessen, was man bräuchte, um die Mobilität auf gegenwärtigem Niveau aufrechterhalten zu können.

In dieser Rechnung ist weder der Schwerverkehr, noch der Betrieb von Bussen und Kleintransportern enthalten. Und natürlich ist damit noch gar nichts über die schwankende Verfügbarkeit der Regenerativen gesagt. Wie lädt man eigentlich Autobatterien mit regenerativen Quellen, wenn im Winter über mehrere Tage kein Wind weht?


Hier die Links zu den bisherigen Beiträgen:
Teil 1
Teil 2


2018/08/07

Notizen zum E-Auto (2)

E-Autos seien, so heißt es jedenfalls, technisch wesentlich einfacher zu bauen als konventionelle Automobile. Sie hätten u.a. weniger bewegliche Teile. Das ist ja alles gut und schön.

Aber man fragt sich angesichts dessen, warum

1) E-Autos um soviel teuer sind als normale Fahrzeuge, und
2) warum Tesla so einen großen Produktionsrückstand hat.

Man sollte meinen, dass die Stromer nur so wie die warmen Semmeln vom Band rollen, wenn sie schon so einfach zu fertigen sind.

Davon abgesehen, gibt es eine gewaltige Diskrepanz zwischen der Anzahl von Medienmeldungen über E-Autos und der tatsächlichen Anzahl von strombetriebenen Fahrzeugen auf unseren Straßen. Nun gut, da ist auch eine Menge (politischer) Propaganda dabei.

Letztens ging es hier um die Reichweite von Elektrofahrzeugen. Auch hier wird ordentlich am Medienrad gedreht. Doch die Reichweite ist nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist die der Energieversorgung. Also der Bereitstellung einer ausreichenden Menge an Strom.

In Deutschland wurden 2016 rund 620 TWh für den Straßenverkehr benötigt. Das entspricht in etwa dem 50-fachen der jährlichen Produktion des Kernkraftwerks Isar 2. Mit anderen Worten: es bedürfte der Errichtung von 50 Kernkraftwerken vergleichbaren Typs, um die Energie bereitzustellen, die im deutschen Straßenverkehr verbraucht wird.

Nun werden manche einwenden, E-Autos brauchen grundsätzlich weniger Energie pro gefahrenem Kilometer. Der Energieverbrauch würde also zurückgehen. OK, also rechnen wir nach.

Ein BMW X1 Diesel braucht ca. 60 kWh pro 100 km. Das ist ein langjähriger Durchschnittswert. Ein BMW i3 braucht rund 15 kWh pro 100 km, so ein Kollege, der ein solches Auto fährt. Nun hinkt der Vergleich insofern, als der X1 wesentlich mehr Platz bietet als der i3. Bei vergleichbarer Austattung würde ich den Verbrauch des i3 doch etwas höher ansetzen. Aber bleiben wir der Einfachheit halber bei den obigen Zahlen, woraus sich ein Verhältnis von 4:1 ergibt.

Dann hätte der Verbrenner in etwa den vierfachen Energiebedarf eines E-Autos. Will heißen, dass der Energiebedarf von Elektrofahrzeugen nur noch ein Viertel dessen beträgt, was konventionelle Autos brauchen. Der gesamte Energieeinsatz im Straßenverkehr würde somit auf 155 TWh sinken, und man bräuchte nur noch 13 Kernkraftwerke obigen Typs, um die entsprechende Strommenge zu erzeugen.

Das ist also die zusätzliche (!) Kraftwerkskapazität, die erforderlich ist, um Deutschlands Straßenverkehr vollständig zu elektrifizieren. Diese Überlegungen gehen von extrem günstigen Voraussetzungen für die Elektromobilität aus. Dabei wurde unter anderem der gesamte Schwerverkehr mit einbezogen, obwohl zur Zeit völlig unklar ist, ob dieser so einfach mit Strom betrieben werden kann wie der private Fahrzeugpark.

Wer die Verhältnisse in Deutschland kennt, weiß, dass der Bau neuer Kernkraftwerke dort auf absehbare Zeit völlig ausgeschlossen ist. Gleichzeitig wurde jetzt auch der Ausstieg aus der Kohleverstromung in die Wege geleitet. Woher soll also der Strom für all die E-Autos kommen? Aus regenerativen Quellen? Sind die überhaupt ausreichend? Mehr dazu in einem anderen Posting.