2018/03/09

Energieverbrauch in der Freizeit - Beispiel Skifahren

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich bin begeisterter Skifahrer.

Und es ist mir vollkommen klar, dass das Skifahren und der Wintertourismus insgesamt einen gewissen Energieverbrauch nach sich ziehen. Man muss sich aber auch darüber im klaren sein, dass die Existenz vieler Menschen in den Alpen direkt vom Tourismus abhängt. Im Winter 2016/17 gab es 68,5 Millionen Nächtigungen in Österreich. Und natürlich ist nicht jeder Tourist ein Skifahrer, aber der größere Teil wohl doch.

Um ein Gespür für den Energieeinsatz beim Skifahren zu bekommen, machen wir folgende Annahmen: Wir nehmen einen homo touristicus mit einem Gewicht von 70 kg und hieven ihn 500 Höhenmeter nach oben. Die dafür benötigte Energie beträgt rund 0,1 kWh (ohne Reibungsverluste). Ein aktiver Skifahrer wird aber pro Tag deutlich mehr als 500 Höhenmeter mit dem Lift zurücklegen.

Nehmen wir weiters an, dass mit jeder Nächtigung genau eine Bergfahrt wie oben verbunden ist, erhalten wir einen Gesamtverbrauch von etwa 6,9 GWh allein für den Liftbetrieb. Das ist, wie so oft, nur eine grobe Abschätzung, gibt jedoch einen netten Einblick in die Größenordnungen, um die es geht. Zum Vergleich: der gesamte Endenergieverbrauch der Alpenrepublik betrug 2016 ca. 311 TWh. Die Skilifte haben daran gemäß unserer Rechnung einen Anteil von 0,002 %.

Wer sich in unseren Tagen in die Berge aufmacht, dem begegnen gepflegte Ortschaften, die den Wohlstand der ansässigen Bevölkerung lebhaft zum Ausdruck bringen. Das war nicht immer so.

Versetzen wir uns 200 Jahre zurück ins Jahr 1818. Damals gab es  noch keinen Alpentourismus, und das Leben der Einheimischen war hart und entbehrungsreich. Jeden Frühling wurden die Schwabenkinder auf ihre gefährliche Reise geschickt, um sich im Bodenseegebiet und anderswo ein wenig Geld zu verdienen, mit dem sie ihre Familien unterstützen konnten. Im Herbst ging es wieder zurück in die heimatlichen Berge. Es gab weder Rettungshubschrauber noch hochmoderne Krankenhäuser, und wenn Kinder auf ihrem beschwerlichen Weg verunglückten, z. B. durch Lawinen, so konnten sie eben nur durch Gottes Hilfe gerettet werden.

Mit dem Bau der Eisenbahn begann sich das Leben zu ändern. 1884 wurde der Arlbergtunnel eröffnet und dann kamen die ersten Touristen. Und wenig später schwangen die ersten Skiläufer über die Hänge. Es ist kein Zufall, dass der Arlberg als Wiege des Skilaufens in Österreich gilt. Das fossile Zeitalter hatte in den Bergen begonnen und das beschauliche Leben (oder was man dafür hält) auf immer verändert.

Zurück in unsere Tage. Das schlechte Gewissen plagt auch die Wintertouristen, und so bemühen sich etliche Hotels und so mache Region um ein grünes Image, das auch eifrig beworben wird. Man will dem Besucher das Gefühl geben, dass sein ökologischer Fußabdruck dank moderner Heizungstechnik und 3fach-verglaster Fenster nur ganz klein sei, während man schwitzend in der Sauna mit Alpenblick hockt und sich hinterher ein gepflegtes 5-Gänge-Menü servieren lässt.

Doch es hilft nichts: die Energiebilanz der Vor-Eisenbahn-Ära wird nicht wieder kommen. Es sei denn, man entsagt dem Tourismus ganz und gar. Die Mobilität des fossilen Zeitalters führte zu einem ungeahnten Aufschwung in einer Region, die immer als wirtschaftlich rückständig galt. Der Wohlstand in den Alpen hängt ganz wesentlich an der Mobilität der Menschen und an der Verfügbarkeit billiger Energie. Ist einer dieser Faktoren nicht gewährleistet, hat das unmittelbare Folgen für dort lebende Bevölkerung.



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